Mai

25

und nun kommt Woche zwei

Von: Julia Ott

2.Woche

Seit zwei Tagen bin ich nun schon in das Familienhaus umgezogen, genaugenommen seit Samstag.Das heißt, dass ich nun mit Brasilianern zusammen lebe, davor habe ich ja bei deutschen Missionare gewohnt. Und das heißt auch, dass ich nun mehr oder weniger gezwungen bin portugiesisch zu reden.
Aber es ist auch gut, denn man kommt viel besser in die Sprache rein und bekommt ein Gefühl dafür.
Zu dritt schlafen wir in dem Zimmer und haben auch einen Balkon, die Tür dazu ist total schön, so wie man sich das in solchen Ländern immer vorstellt, leider fehlen bei uns zwei Fenstergläser in der Tür. Kurzer Hand haben wir dann Pappe dran geklebt. Typisch eben :-) Und das Bettzeug wird morgens in den Schrank getan, denn ansonsten gilt
es als unordentlich und auch werden keine Bilder oder Fotos aufeghängt,außer sie sind in einem Rahmen, denn alles andere ist auch unordentlich. Seltsam, ist aber so. Und was man in öffentlichen Räumen liegen lässt gehört allen und wird dann von allen benutzt, darum alle Sachen immer wieder ins Zimmer bringen.
Am Freitag waren wir mit den Mädels, die anderen zwei deutschen FSJ’lern und ich in einem Museum der portugiesischen Sprache. War sehr interessant und einige Dinge konnte ich sogar verstehen :-) Und der Eintritt hat gerade mal 1,50 Euro gekostet :-)
Dann gibt es Freitags immer einen Mitarbeitergottesdienst in der Missionsstation, dort wird dann gesungen, gebetet und aus der Bibel gelesen. Interessant ist die Art und Weise wie gebetet wird, zum Beispiel beten die vor dem Essen immer so lange oder manchmal legen alle die Arme auf den Nachbar oder man
legt seine Hand auf denjenigen für den man betet, das fand ich irgendwie cool.
Ach ja und dann waren wir auch noch in einem Supermarkt, weil wir zum Abendessen Pizza gegessen haben. Und dann haben wir auch mal Obst probiert, also der GEschmakc ist ja ganz anders als in Deutschland, viel besser. Mango gab es mal zum Frühstück, Ananas und so noch ein paar andere, die ich hier zum ersten Mal
probiert habe. Auf der Farm, der Reha-Einrichtung wächst das Obst teilweise sogar auf den Bäumen und man kann sich das dann abpflücken und essen, freu mich schon drauf. Da komme ich dann in fünf Wochen hin. Dort ist man dann wirklich auf dem Land und fern ab von aller Zivilisation. Aber das heißt auch, dass es dort
Tierchen gibt, die nicht zu meinen Lieblingstieren gehören, Spinnen, Schlangen und Fröschen, die auch teilweise giftig sind. Naja, mal sehen, ob ich mich an die gewöhnen kann.
Ach ja, dass muss ich noch erzählen, denn ich hatte meine erste Begegnung mit einer Karkalake, keine Ahnung, wie das geschrieben wird. Wir saßen im Wohnzimmer auf dem Sofa und plötzlich kommt ein kleines Mädchen angelaufen und zeigt auf etwas auf dem Boden. Als wir runter guckten entdeckten wir dieses Ding. Eine ältere Frau
stand prompt auf und trat auf dieses Tierchen, das sah vielleicht ecklig aus. Später am Abend musste ich vor dem Einschlafen noch daran denken und habe einfach gebetet, dass nachts keine mehr auftaucht. Davor haben mich die Leute schon gewarnt, mir war aber nicht bewusst, dass ich schon so früh auf eine treffe. :-)
In dem Geschäft gibt es auch deutsche Schokolade, die aber übels teuer ist, so 50 Gramm oder so kosten an die 3 Euro, Kinderschokolade zum Beispiel. Aber leider haben die keinen Mars hier, denn den den ich mir aus Deutschland mit genommen habe, habe ich schon aufgegessen und manchmal wünsche ich mir so sehr einen.
Wir fahren immer mit dem Zug ins Zentrum wo die Mission ist und ich habe noch nie so volle Züge erlebt und wenn man denkt, es passt keiner mehr rein, dann geht trotzdem noch was. Das ist voll lustig, denn manchmal ist man so eingeklemmt, dass man sich nicht festhalten braucht, denn umkippen kann man eh nicht.
Obwohl hier Herbst ist, ist es wahrscheinlich trotzdem wärmer als im Sommer in Deutschland. Am Samstag staunte ich nicht schlecht als ich sah, dass die Temperatur auf die 40°C stieg, dies war in der Sonne. Abrt trotzdem hatten wir an die 35°. An manchen Tage, eigentlich an fast allen, lauf ich mit Flip Flops und T-Shirt rum. Aber immer
eine Regenjacke und ein Pulli im Rucksack, denn abends kann es durchaus kalt werden und Regen kann einen auch überraschen.
Am Samstag-Nachmittag war dann so ne Art “Jungesellen-Abschied” von einer Frau. Dort war dann auch die Begegnug mit der Karkalake :-) Das läuft so ab, dass jede Frau eine Einladung bekommt, wo drauf steht, was man als Geschenk mit bringen soll. Dieses Geschenk muss man dann so verpacken, dass die Frau, die heiratet, nicht erraten kann was drin ist.
Dann muss sie das auspacken und raten was drin ist und wer es ihr geschenkt hat. Rät sie falsch, dann muss sie was machen, entweder ein Lied singen oder wird angemalt oder so. Rät sie aber richtig, dann wird die Person, die es geschenkt hat, angemalt oder so. Soll normal total lustig sein, leider wollte es diese Frau jetzt net so haben.
Ach ja, was ich am Samstag noch gesehen habe, ist wie die hier parken. Also parken in zweiter Reihe ist nichts dagegen. Hier werden auf einem Parkplatz so viele Autos rein gefahren bis wirklich kein Platz mehr ist. Keine Ahnung was der macht, der als allererste kam,denn der ist nun zugeparkt und der kann nicht raus, ehe die anderen Autos davor nicht weg gefahren werden.
Keine ahnung wie die das dann da machen. War auf jeden Fall total lustig zu sehen.
Und dann war ja schon wieder Sonntag. Ganz ungewohnt für mich, man geht hier abends in den Gottesdienst und hat dann den ganzen Vormittag und Nachmittag frei. Zum Frühstück gibt es hier Brötchen mit Margarine, in der viel Salz drin ist, für meinen Geschmack. Und dazu gibt es dann übersüßten Kaffee, aber zum Glück gibt es einen Diabethiker und darum auch eine Kanne ungesüßten Kaffee.
Und zum Mittag gibt es dann wieder Reis und Bohnen :-) Und das sogar zweimal am Tag.
Aber dazwischen gibt es dann noch Kuchen..mmmh…der war echt lecker gestern.
Und abends sind wir dann in einen Gottesdienst gegangen. Ja, wie soll ich sagen,dass war eine neue und andere Erfahrung.
Zu erst einmal, wir sind mit dem Bus dahin gefahren. Fast hätten wir ihn verpasst, weil es irgendwie nicht klar war, welcher der unsere ist. Wir haben dann den richtigen genommen und das war fast wie Achterbahn fahren. Am Anfang dachte ich, dass ich lieber meine Tabletten gegen Übelkeit eingepackt hätte. Aber man hat sich dann doch daran gewöhnt. Hier geht es auch immer wieder steil
bergauf und genau da ist dann auch meist eine Haltestation. Ich fragte mich, wie der Bus da wohl dann wieder anfahren würde, aber irgendwie kriegen die es immer wieder hin und dann fahren die auch mit solch einer Geschwindigkeit. Also wenn du da mal stehen musst, weil kein Platz ist, dann musst du dich gut festhalten :-)
Und in diesen Bussen gibt es neben dem Busfahrer noch einen Mann, der nur dafür da ist damit man bei ihm die Fahrkarte bezahlen kann. Ach ja und was noch ganz witizg ist. Hier gibt es für Menschen ab 60 Jahren und auch für Schwangere und so besondere Sitze und auch Zugabteile. Von Montag bis Freitag von 16-19 Uuhr dürfen nur diese Menschen diese Abteile nutzen.
Auf jeden Fall waren wir dann im Gottesdienst. Ganz anders als in Deutschland und schon charismatisch, obwohl man mir sagte, dass dieser Gottesdienst noch ganz human war. Ein Lied kannte ich sogar,was wir dort gesungen haben :-) Hier in Brasilien da macht jeder Musik, ob er es gut kann oder nicht, auch singt jeder, obwohl das manchmal mehr ein Schreien ist und auch nicht immer ganz richtig
gesungen ist. Wenn es dann zum gemeinsamen Gebet kommt, dann fasst man sich dort an den Händen und alle beten gemeinsam und dabei werden sie immer lauter, habe ich das Gefühl. Ich fand es war eine gute Erfahrung und ich bin gespannt auf weitere Gottesdienste.
Leider kann ich euch nicht immer Bilder zeigen, weil ich in der MIssionsstation ins Internet gehe, aber vielleicht klappt es ja mal und dann zeig ich mal ein paar Bilder.
Die Natur ist einfach toll hier. Am Straßenrand wachsen Blumen, die wir zu Hause um Blumentopf haben und dann gibt es auch viele Palmen einfach so auf der Straße. LEtzens habe ich sogar, glaube ich, Bohnen am Straßenrand wachsen sehen. Es gibt vieles schönes und dann aber auch vieles, was nicht so gut ist. Denn man merkt an viele Stellen, dass die Armut groß ist. Wenn man dann die Obdachlosen unter der Brücke schlafen sieht oder den vielen Müll, dann merkt man schnell,
dass die schöne Natur nicht alles ist.
Und nun beginnt eine neue Woche für mich, meine zweite Woche. SO langsam kennt man die Abläufe und ungefähr wo was steht. Ich bin gespannt, wie es wird und was ich so alles erleben werde.

2 Responses so far

Oi,
weil ich in Brasilien aufgewachsen bin, finde ich es total lustig immer in deinem blog rein zu schauen. Ich konnte auch viele komische sachen von Deutschland erzaelen, ist einfach eine umstelung, oder?! Ich liebe es einfach, diese kultur sache!
Wunsche dir viel Spass!
Abraços

Langer Bericht, aber sehr interessant zu lesen

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